Wie wollen Sie wohnen?

Geräumig, aber überschaubar

Sind die Kinder ausgezogen, empfinden viele alte Menschen ihre Wohnungen und Häuser oft als zu groß. Die täglichen Arbeiten können alleine nicht mehr bewältigt werden. Das berichten unsere Bewohner immer wieder. Daher sind die Residia-Wohnungen geräumig, aber überschaubar und selbstverständlich barrierefrei angelegt.

Ein heimatliches, gutes Wohngefühl bedeutet älteren Menschen und auch Pflegebedürftigen sehr viel. Auch der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse dachte intensiv über das Alter nach. Wie alle anderen Lebenszeiten auch, fand er, hat das Alter ein eigenes Gesicht, eigene Freuden, Schmerzen und eigene Aufgaben. Es gibt weiterhin Wichtiges zu erleben und zu erfüllen. Aber dafür müsse der Mensch diesen Lebensabschnitt wertschätzen. Ohne ja dazu zu sagen, „ohne die Hingabe an das, was die Natur von uns fordert, geht uns der Wert und der Sinn unserer Tage – wir mögen alt oder jung sein – verloren, und wir betrügen das Leben.“

 

„Was man kennt und was zufrieden macht“

Ursula Kremer-Preiß (Kuratorium Deutsche Altershilfe) über die Wohnentscheidung im Alter

Sie sind Sozialwissenschaftlerin und Expertin für Wohnformen im Alter. Welche sind das zum Beispiel?

Da gibt es eine ganze Reihe: die Senioren-WG, Quartierskonzepte, die auf Nachbarschaftshilfe aufbauen, Wohnen für Hilfe, das Mehrgenerationenhaus, Betreutes Wohnen oder auch die Pflege-WG. Da leben dann nicht die „jungen Alten“ zusammen, sondern Schwerstpflegebedürftige, die in einer Kleingruppe rundum betreut werden.

Wie finde ich für mich persönlich das Richtige? 

Das Beste ist, im Alter den bisherigen Lebensstil beizubehalten – das, was man gut kennt und was zufrieden macht. Wer Trubel um sich mag und mit vielen Menschen zusammengelebt hat, fühlt sich vielleicht mit gemeinschaftlichem Wohnen in einem Mehrgenerationenhaus oder in einer Senioren-WG wohl. Wer dagegen unter Gemeinschaft hin und wieder Besuch versteht, findet Betreutes Wohnen angenehmer.

Welche Vor- und welche Nachteile sehen Sie beim Betreuten Wohnen?

Schön ist natürlich die barrierefreie Wohnung. Außerdem wohnt man gemeinschaftlich und ist nicht allein. Aber: Betreutes Wohnen ist nicht gesetzlich geschützt. Was geleistet wird oder auch nicht, wird jeweils im Einzelvertrag vereinbart. Wer sich dafür interessiert, sollte also genau auf die jeweiligen Serviceangebote schauen.

„Service, Preise, Verträge“ heißt eine Ihrer Publikationen. Worauf muss man besonders achten?

Die Wohnung sollte in jedem Fall barrierefrei gebaut sein und es sollte einen vernünftigen haustechnischen Dienst sowie eine Notrufsicherung geben. Außerdem muss ständig ein Ansprechpartner da sein – und zwar direkt im Haus. Alles andere sollten Wahlleistungen sein. Womöglich zahle ich sonst etwas, das mir persönlich gar nicht zugutekommt. Die DIN Norm 77800 gibt zum Beispiel Einrichtungsbetreibern wichtige Qualitätsanforderungen vor. Es gibt auch Checklisten für Wohninteressenten. Man bekommt sie unter anderem bei den Verbraucherzentralen.

Hat man sich entschieden, kommt die Anmeldung – ein Schritt, der Angst machen kann. Wie gehe ich leichter damit um?

Viele Menschen blenden aus, dass sie im Alter nicht weiter so wohnen können wie bisher, etwa weil sie alleine sind. Das hilft jedoch nicht weiter. Wenn es aber Hemmschwellen gibt, würde ich sie immer langsam  abbauen. Man muss ja nicht sofort unterschreiben. Man kann Häuser auch einfach mal so besuchen, um sie näher kennenzulernen. Man kann ein Fest besuchen, bestimmte Leistungen testen oder sogar einmal Probe wohnen. Vielleicht gefällt es ja ganz gut?

Was möchten Sie Interessenten für Betreutes Wohnen mitgeben?

Ein Umzug im Alter ist eine Herausforderung und will gut überlegt sein. Wer sich aber sicher ist, sollte nicht abwarten. Er sollte sich vielmehr früh kümmern, damit er die Vorzüge des Betreuten Wohnens auch möglichst lange genießen kann.

Sie selbst sind Mitte fünfzig, also noch jung. Haben Sie schon Ideen, wie Sie später leben möchten? 

Ich persönlich halte es mit Quartierskonzepten für nachbarschaftliche Hilfe. Oder vielleicht mit „Wohnen für Hilfe“. Ich würde dann einen Teil meines Hauses günstig vermieten und die Mieter würden mir im Gegenzug zur Hand gehen.

Frau Kremer-Preiß, wir danken für das angenehme Gespräch.